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«Als ich die Nadel gesehen habe, dachte ich: huch. Doch der Stich hat überhaupt nicht geschmerzt.»

Manuela Frey, Blutspenderin und Model

Für viele Menschen ist unklar, was sie bei einer Blutspende erwartet. Manuela Frey erging das nicht anders, als sie sich auf den Stuhl setzte. Ihr spontaner Moment des Staunens über die Nadel wich rasch der Erkenntnis, dass der Stich kaum spürbar und nach zehn Minuten bereits alles vorbei war. Solche persönlichen Erlebnisse zeigen, wie unkompliziert eine Blutspende ist und dass ein kurzer Moment des Einsatzes für andere Menschen von grosser Bedeutung sein kann.

   200'596
verbrauchte Erythrozytenkonzentrate
Vorjahr: 203'832
   39'542
verbrauchte Plättchenkonzentrate
Vorjahr: 37'992
   23'857
verbrauchtes frisch gefrorenes Plasma
Vorjahr: 25'092

Die Blutspende bleibt eine zentrale Säule der medizinischen Versorgung in der Schweiz. Sie sichert die Verfügbarkeit von Blutprodukten, die täglich in der Chirurgie, der Onkologie oder bei Notfällen benötigt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Blutprodukte als essenzielle Medikamente, die die grundlegenden Gesundheits- und Behandlungsbedürfnisse einer Bevölkerung adressieren. Um den Bedarf kontinuierlich decken zu können, sind regelmässige Spenden und eine breite Spenderbasis erforderlich. Persönliche Erfahrungen wie jene von Manuela Frey, die ihre Erlebnisse mit ihrer Community teilt, helfen, Hemmschwellen abzubauen und neue Spendergruppen zu erreichen. Gleichzeitig unterstützen digitale Angebote den Zugang zur Blutspende und stärken die Versorgungssicherheit langfristig.

Die Blutversorgung war über das Jahr hinweg mehrheitlich stabil.

Regionale Engpässe traten punktuell auf, insbesondere im Sommer und während der Feiertagsperiode zum Jahresende. Laut den Daten der Schweizer Blutspendedienste kommt es zudem mehrmals pro Jahr zu Engpässen in der Versorgung mit Erythrozytenkonzentraten der Blutgruppe 0 negativ. Dank dem grossen Engagement der regionalen Blutspendedienste konnte diesen Entwicklungen wirksam entgegengewirkt werden. Dazu trugen insbesondere gezielte regionale Aufrufe und Sensibilisierungskampagnen sowie die Erarbeitung von Empfehlungen zum Umgang mit Blutprodukten der Gruppe 0 negativ im Jahr 2025 bei. Unterstützt wurde dies auch durch die hohe Hilfsbereitschaft der Spenderinnen und Spender.

Bedarf und Verbrauch

  • Erythrozytenkonzentrate: −1,6 % (Vorjahr: −3,6 %)

  • Thrombozytenkonzentrate: +3,9 % (Vorjahr: −5,3 %)

  • Plasma: −5,2 % (Vorjahr: +4,0 %)

→ Bedarf an Erythrozytenkonzentraten leicht rückläufig dank gezielterem Einsatz in den Spitälern.



Blutspendeaktionen (mobil)

  • Ortschaften: 1'037 (Vorjahr: 1’041)

  • Mobile Aktionen: 2'119 (Vorjahr: 2’120)

  • Durchschnittliche Spenden pro Aktion: 59,8 (Vorjahr: 60,4)

  • Anteil mobiler Spenden an der Gesamtzahl der Blutspenden: 49,7 % (Vorjahr: 49,2 %)

→ Konstantes Niveau bei Aktionen und Spendenleistung.


Spendenmenge und Verfall

  • Entnommene Blutspenden: 252'703 (Vorjahr: 260’349)

  • Verfallrate Erythrozytenkonzentrate: 1,19 % (Vorjahr: 1,31 %)

→ Verfall leicht rückläufig

Haltbarkeit

  • Erythrozyten: 42–49 Tage

  • Thrombozyten: 7 Tage

  • Plasma: bis 2 Jahre (tiefgefroren)

Der Weltblutspendetag am 14. Juni 2025 stand in der Schweiz unter dem Motto #FüllDieLücke und machte auf die Bedeutung der Blutspende für die medizinische Versorgung aufmerksam. Täglich werden rund 700 Blutspenden benötigt, um Patientinnen und Patienten zuverlässig mit Blut und Blutprodukten versorgen zu können. Gleichzeitig spenden nur etwa 2,5 Prozent der Bevölkerung regelmässig Blut.

An der nationalen Aktion beteiligten sich 45 externe Partner aus unterschiedlichen Bereichen. Das grosse Engagement und die hohe Sichtbarkeit führten zu einer sehr positiven Resonanz. Der Weltblutspendetag 2025 zeigte eindrücklich, dass eine stabile Blutversorgung auf gemeinschaftlicher Verantwortung beruht. Aufgrund des Erfolgs wird die Aktion im kommenden Jahr fortgeführt.

Für die UEFA-Frauen-Europameisterschaft 2025 in der Schweiz wurde das Motto #FüllDieLücke gezielt weiterentwickelt und in ein Fussballsujet übersetzt. Ein speziell gestalteter Spot wurde während der Pausen in Public Viewings ausgestrahlt; die dafür genutzten Werbeslots wurden unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Aktion erreichte ein breites Publikum und verdeutlichte, dass jede einzelne Blutspende dazu beiträgt, Versorgungslücken zu schliessen.

Anlässlich ihres jährlichen Treffens diskutierten die Präsidentinnen und Präsidenten der regionalen Blutspendedienste fachliche Thesen zur Entwicklung des Marktes für labile Blutprodukte in den kommenden zehn Jahren. Die Einschätzungen beruhen auf aktuellen Daten, internationalen Entwicklungen und bestehenden Versorgungsstrukturen.

Beim Erythrozytenkonzentrat ist der Verbrauch pro Kopf rückläufig, trotz alternder Bevölkerung. Treibende Faktoren sind insbesondere das Patient Blood Management sowie effizientere klinische Anwendungen. Für die kommenden zehn Jahre wird insgesamt von einer moderaten Schwankungsbreite des Verbrauchs ausgegangen.

Der Bedarf an Thrombozytenkonzentraten zeigt sich über die europäischen Länder hinweg weitgehend stabil und ist stark von der jeweiligen klinischen Praxis geprägt.

Beim frisch gefrorenen Plasma ist der Verbrauch aufgrund alternativer Produkte und veränderter Indikationen deutlich rückläufig und dürfte weiter an Bedeutung verlieren. Der Markt für Fraktionierplasma entwickelt sich hingegen international dynamisch, bleibt in der Schweiz jedoch auf die Bereitstellung von Überschussplasma beschränkt.

Die Spendepopulation zeigt sich zahlenmässig stabil, während die Anzahl der Spenden pro Person zurückgegangen ist. Gleichzeitig steigt der organisatorische Aufwand für die Blutbeschaffung, unter anderem durch verändertes Spendeverhalten, weniger Blutspenden pro Aktion und den Rückgang freiwilliger Unterstützung.

Im Labor- und Testbereich führen Automatisierung, neue regulatorische Anforderungen und Kostendruck zu steigenden Investitionen bei gleichzeitig sinkender Wertschöpfung. Die Zahl der Anbieter dürfte weiter abnehmen. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich in der Produktion, wo trotz punktueller Automatisierung ein hoher manueller Aufwand bestehen bleibt.

Die Sicherstellung von qualifiziertem Fachpersonal bleibt zentral. Blutspendedienste stehen dabei in Konkurrenz zu Spitälern, Laboratorien und der Industrie. Attraktive Arbeitsbedingungen gewinnen weiter an Bedeutung.

Die Digitalisierung bietet Potenzial für Effizienz und Synergien, insbesondere in der Spenderkommunikation und bei IT-Systemen entlang der Prozesskette von der Spende bis zur Transfusion. Gleichzeitig erfordert sie Koordination, Investitionen und langfristige Systementscheide.

Basierend auf diesen erwarteten Entwicklungen legten die Präsidentinnen und Präsidenten mögliche gemeinsame Massnahmen fest, die nun vertieft werden.

Per 1. August 2025 übernahm Tiziana Janner von Anita Tschaggelar die Abteilungsleitung Blutspendedienst (BSD) und damit die Gesamtverantwortung für das Kerngeschäft Blutspendedienst inklusive Einsitz in der Geschäftsleitung. Mit diesem Schritt wurde die Nachfolgeplanung in der Leitung des BSD abgeschlossen.

Gleichzeitig geht ein besonderer Dank an Anita Tschaggelar, die den Blutspendedienst über viele Jahre geprägt und die Abteilung BSD während rund zehn Jahren geleitet hat. In dieser Zeit hat sie den Bereich fachlich weiterentwickelt und intern wie extern als kompetente Fachstelle positioniert.

Anita Tschaggelar bleibt dem BSD weiterhin verbunden und unterstützt die Abteilung noch bis zu ihrer Pensionierung Ende Juli 2026.

Mit der Lancierung der «Meine Blutspende»-App 2025 wurde ein weiterer Schritt in Richtung digitaler Spenderkommunikation umgesetzt. Die App wurde zunächst vom Interregionalen Blutspendedienst SRK (IRB) eingeführt. Der Go-live bei den weiteren regionalen Blutspendediensten ist für 2026 vorgesehen.

Die App bietet Blutspenderinnen und Blutspendern einen zentralen Zugang zu persönlichen Spendedaten, Terminübersichten und relevanten Informationen rund um die Blutspende. Spendende können ihre bisherigen Spenden einsehen, Termine planen und sich über geltende Wartefristen nach Reisen oder Impfungen informieren. Der digitale Blutspendeausweis erleichtert die Anmeldung vor Ort, während Erinnerungsfunktionen und Informationsangebote die Vorbereitung auf die Spende unterstützen.

Die Blutspende-App trägt dazu bei, Abläufe zu vereinfachen und den Kontakt zwischen Spendenden und Blutspendediensten zeitgemäss zu gestalten. Sie ergänzt bestehende Angebote und unterstützt die langfristige Sicherstellung der Blutversorgung durch eine verbesserte Erreichbarkeit und Betreuung der Spenderinnen und Spender.

Das jährliche Treffen der European Blood Alliance (EBA), des Netzwerks der europäischen Blutspendedienste, fand 2025 in Basel statt. Organisiert wurde das Meeting von Blutspende SRK Schweiz gemeinsam mit der EBA. 45 Fachpersonen aus 22 Ländern nahmen daran teil und erhielten unter anderem Einblick in die Abläufe des Basler Blutspendezentrums.

Im Mittelpunkt standen aktuelle europäische Entwicklungen in der Blutspende. Diskutiert wurde insbesondere die neue EU-Regulierung zu Substanzen menschlichen Ursprungs (SoHO), wobei deutlich wurde, dass die bestehenden Regelungen in der Schweiz in einzelnen Bereichen strenger sind als die europäischen Vorgaben.

Weitere Themen waren europäische Kooperationsprojekte zur transfusionsmedizinischen Forschung, zur besseren Vernetzung von Daten sowie zur Sicherstellung der Versorgung mit wichtigen Blutprodukten. Zudem wurde die zunehmende Bedeutung von durch Mücken übertragenen Viren thematisiert, die für die Sicherheit der Blutspende relevant sind.

Das Treffen unterstrich die Bedeutung der europäischen Zusammenarbeit für Qualität, Sicherheit und eine stabile Blutversorgung.

Anzahl Blutspenden

Verbrauchszahlen

Erythrozytenkonzentrate (Konzentrate roter Blutkörperchen)
Plättchenkonzentrate (therapeutische Einheiten)
Frisch gefrorenes Plasma