«Unser Auftrag ist es, Sicherheit laufend neu zu bewerten – auf Basis von Wissen, nicht von Gewohnheit.»
Sandra Kurt, Mitarbeiterin Blutspende SRK Schweiz, Arbeitsgruppe Blut und Hämapherese«Unser Auftrag ist es, Sicherheit laufend neu zu bewerten – auf Basis von Wissen, nicht von Gewohnheit.»
Sandra Kurt, Mitarbeiterin Blutspende SRK Schweiz, Arbeitsgruppe Blut und Hämapherese
Die Blutspendekriterien werden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst. Eine nationale Arbeitsgruppe mit Fachpersonen aus den regionalen Blutspendediensten und der Blutspende SRK Schweiz beurteilt neue wissenschaftliche Erkenntnisse und internationale Entwicklungen und leitet daraus Empfehlungen und Richtlinien ab. Ziel ist es, Sicherheit und Versorgung langfristig in Einklang zu halten.
Die Anpassung der Blutspendekriterien in den letzten Jahren hat den Kreis der spendeberechtigten Personen erweitert, ohne die Sicherheit von Patientinnen und Patienten zu beeinträchtigen. Ein Beispiel dafür sind die im Jahr 2025 evaluierten Ausschlussregeln im Zusammenhang mit der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK), sodass im Februar 2026 mehrere dieser Kriterien in Kraft gesetzt werden konnten. Die Hintergründe und konkreten Änderungen werden hier erläutert.
Die Sicherheit von Spendenden und Patientinnen und Patienten blieb auf hohem Niveau. Die epidemiologische Lage in Europa und der Schweiz wurde kontinuierlich beobachtet, um potenzielle Risiken für die Blutversorgung frühzeitig zu erkennen.
Die Anzahl der bei Blutspenden nachgewiesenen Infektionskrankheiten lag im ähnlich tiefen Bereich wie in den Vorjahren.
Zwei Jahre nach der Einführung einheitlicher Blutspendekriterien unabhängig von der sexuellen Orientierung zeigte sich keine Erhöhung des infektiologischen Risikos bei den Blutspenden und den transfundierten Patientinnen und Patienten.
Spendennebenwirkungen
Gemeldete Fälle: 3’061 (Vorjahr: 3’207)
Rate: 12,3 pro 1’000 Entnahmen (Vorjahr: 12.5 pro 1’000 Entnahmen)
Milde Reaktionen: 89 % (Vorjahr: 91 %)
→ Nebenwirkungen bleiben stabil und überwiegend mild.
Seit dem 1. Februar 2026 gelten in der Schweiz angepasste Blutspendekriterien. Personen mit früherer Bluttransfusion, bestimmten medizinischen Eingriffen oder einem längeren Aufenthalt im Vereinigten Königreich (UK) dürfen wieder Blut spenden.
Die bisherigen Ausschlüsse dienten dem vorsorglichen Schutz vor einer möglichen Übertragung der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK). Auf Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, internationaler Daten und einer umfassenden Risikoneubewertung stuft eine Fachgruppe das Übertragungsrisiko heute als äusserst gering ein.
Die Anpassung der Kriterien wurde im Oktober 2024 beantragt und am 14. Juli 2025 von Swissmedic genehmigt.
Die Auswertung der schweizweiten Hämovigilanzdaten zeigt, dass Blut- und Apheresespenden auch bei Spenderinnen und Spendern ab 65 Jahren sicher durchgeführt werden können. Bei Vollblutspenden treten in dieser Altersgruppe sogar weniger unerwünschte Ereignisse auf, was auf die Selektion gesunder, erfahrener Spendender zurückgeführt wird. Bei Apheresespenden sind die Ereignisraten etwas höher und unterschiedlich zwischen den regionalen Blutspendediensten, was unter anderem mit Dokumentationspraxis und präventiven Massnahmen zusammenhängen könnte. Insgesamt bestätigen die Daten die internationale Evidenz zur Sicherheit von Spenden im höheren Alter.
Durch Mücken übertragene Infektionskrankheiten wie Dengue, Chikungunya und das West-Nil-Virus werden europaweit eng überwacht, da sie potenziell über Blutprodukte übertragen werden können. Das Monitoring erfolgt saisonal zwischen Juni und November und ist auf betroffene Regionen fokussiert.
Im Jahr 2025 zeigte sich in Europa ein differenziertes Bild: Während Dengue-Infektionen in einzelnen Regionen Frankreichs und Italiens auftraten, blieb das Geschehen insgesamt begrenzt und ebbte gegen Ende des Sommers ab. Neu traten hingegen in Frankreich und Italien lokal begrenzte Ausbrüche von Chikungunya auf, vermutlich ausgelöst durch importierte Fälle aus endemischen Gebieten.
Beim West-Nil-Virus lagen die gemeldeten Fallzahlen in diesem Jahr über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. In der Saison 2025 wurden wieder einzelne Regionen in Italien, Frankreich und Deutschland temporär gesperrt. Ein erstmals in der Schweiz gemeldeter autochthoner Fall im Tessin wurde nach Abschluss der Mückensaison festgestellt und hatte keinen Einfluss auf die Blutspendesicherheit, unterstreicht jedoch die Bedeutung einer vorausschauenden Vorbereitung.
Insgesamt zeigt sich, dass die Überwachung von tropischen Erregern ein wichtiger Bestandteil der Patientensicherheit bleibt. Die bestehenden Monitoring- und Vorsorgemassnahmen haben sich bewährt und ermöglichen es, Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielt zu steuern.
Rechtzeitig erkannte Infektionen
Jede Blutspende wird umfassend untersucht. Dadurch können Infektionen wie Hepatitis B, Hepatitis C, HIV oder HEV frühzeitig erkannt und eine sichere Verwendung der Blutprodukte gewährleistet werden.